Blumen auf einem Grabstein

Rudolf Krug (Junior)

geboren am 2. Mai 1914 in Wien
gestorben am 20. August 1981 in Wien

Mein Vater wurde am 2. Mai 1914 in Wien in die gut bürgerliche Offiziersfamilie von Rudolf und Angela Krug, geb. Löschinger geboren (siehe 1. Bild und Gedenkseiten Angela Krug und Rudolf Krug (Senior)). Der 1. Weltkrieg hat gerade begonnen und sein Vater musste kurz nach seiner Geburt als Offizier an die Front. Ich weiß nicht genau wann mein Großvater aus dem 1. Weltkrieg zurückgekehrt ist, ich glaube aber schon vor Ende des Kriegs. Die Familie bewohnte eine wunderschöne große Wohnung im 3. Bezirk und die Eltern meines Vaters hatten auch Personal und führten ein geselliges Leben.
Als mein Großvater aus dem Krieg zurückkehrte erwarb er ein Geschäft für Anglerzubehör.
Mein Vater verbrachte trotz des Kriegs eine sorgenfrei Kindheit und Jugend. Er wurde sehr verwöhnt und blieb das einzige Kind. Er erhielt schon als Kleinkind Klavierunterricht, und war ein eher schüchternes, verträumtes Kind. Er besuchte Privatschulen, wo viele Exkursionen gemacht wurden, dann besuchte er die Handelsakademie, wo er das Abitur machte, anschließend studierte er an der WU. Er hatte einen großen Bekanntenkreis und war sehr gesellig. Er liebte es zu singen und war ein guter Tänzer. Er war auch in einer Studentenverbindung, wo sie viele Ausflüge und Reisen machten, das bereitete ihm nach dem Krieg große Probleme. 
Mein Vater lernte meine Mutter während des 2. Weltkriegs kennen (siehe Gedenkseite Therese Krug 1916 - 1991). Ein Freund meines Vaters vermittelte einen brieflichen Kontakt. Mein Vater schrieb wunderbare Briefe an meine Mutter, die er nur von einem Foto kannte. Nach einiger Zeit verliebten sich meine Eltern, nach mehrmaligen Treffen hielt mein Vater um die Hand meiner Mutter an. Sie heirateten noch während des 2. Weltkriegs am 2. Juli 1944 in Stoob (6. Bild).
Mein Vater musste wieder an die Front, meine Mutter war als Nachrichtensprecherin in Le Mans und kurz vor Ende des Krieges in Zakobane eingesetzt. Als 1945 der 2. Weltkrieg zu Ende war schlug sich meine Mutter nach Salzburg durch, wo sie meinen Vater wieder getroffen hat. Da meine Großmutter väterlicherseits in Wien ausgebombt wurde, mussten meine Eltern nach Wien zurückkehren um meiner Großmutter beizustehen. 
Mein Bruder Peter kam am 1. April 1947 in Wien zur Welt, meine Mutter wurde kurz darauf wieder schwanger, ich sollte in Salzburg zur Welt kommen, da mein Vater bei Gasolin die Buchhaltung leiten sollte. Meine Mutter ist im September nach Stoob gereist, um sich von ihrer Mutter zu verabschieden, da habe ich unerwartet im Haus meiner Großmutter in Stoob, am 25. September 1948 das Licht der Welt erblickt.
Schlussendlich konnte die Familie erst Ende 1949 nach Großgmain übersiedeln, wo mein Vater in der Zwischenzeit in Großgmain eine Wohnung gefunden hat.
Wir alle lebten sehr glücklich in Großgmain zusammen, mein Vater integrierte sich rasch in die Grossgmeiner Gesellschaft, er führte für einige Vereine die Buchhaltung und machte für viele die Steuererklärungen.
Meine Eltern hatten in Salzburg und Großgmain viele Freunde und führten ein geselliges Leben. Einige Kriegskameraden meiner Eltern kamen uns häufig besuchen, eine Freundin meiner Mutter, die sie von Le Mans kannte, lebte mit ihrer Familie in Freilassing. Meine Großmutter väterlicherseits besuchte uns jedes Jahr zu Weihnachten und Ostern und beschenkte meinen Bruder Peter und mich reichlich. Aus diesem Grund wollte ich, dass sie zu uns nach Salzburg mitkommt.
Mein Bruder Peter erkrankte 1954 schwer, im Salzburger LKH konnte man keine Diagnose stellen. Durch eine Empfehlung konsultierten meine Eltern Herrn Prim. Nussbaumer in Klagenfurt, der sofort feststellte, dass mein Bruder den Wilms Tumor hatte. Eine Niere musste entfernt werden und vorher musste die verbleibende Niere aufgebaut werden. Meine Mutter war über 3 Monate bei meinem Bruder in Klagenfurt, da man nicht wusste ob Peter diese Operation überleben wird.
Ich litt sehr unter der Trennung, deshalb wurde ich ein Jahr früher eingeschult, um abgelenkt zu sein. Meine Tante Helene, die solange sie nicht verheiratet war, alle Urlaube bei uns in Großgmain verbrachte, kam um zu helfen mich mitzuversorgen. Gott sei Dank ist alles gut ausgegangen und mein Bruder wurde wieder gesund!
Meine Mutter veranstaltete für uns die schönsten Geburtstagsfeiern und hat immer alle unsere Freunde eingeladen. Für jedes Kind wurde ein Buchstabe des Vornamens gebacken, jedes Kind erhielt ein kleines Geschenk.
Wir besuchten alle Feste, die das Jahr über stattgefunden haben. Peter und ich feierten in Großgmain die Erste Heilige Kommunion (8. Bild), Peter erhielt auch die Heilige Firmung in Großgmain. Er war als Ministrant tätig, er musste die komplette Messliturgie in Latein auswendig lernen, er lernte sehr schnell Latein und animierte mich mit ihm "Das Vater unser" mitzulernen. Er war so vielfältig  begabt, er konnte zeichnen und malen, war in der Schule ein "Vorzeigeschüler" und er war sehr musikalisch. Er hatte ein absolutes Gehör, er erhielt Geigenunterricht, beide spielten wir die Blockflöte. Später lernte sich Peter selbst verschiedene Instrumente zu spielen.
Obwohl mein Vater noch die 6 Tage Woche hatte, gehörte der Sonntag der Familie. Am Sonntag besuchten wir gemeinsam den Gottesdienst, obwohl mein Vater evangelisch war, besuchte er regelmäßig mit uns den katholischen Gottesdienst. Während meine Mutter das Essen zubereitete, beschäftigte sich mein Vater mit uns Kindern (7. Bild). Wir machten Spaziergänge oder er las uns etwas vor. Schon früh begeisterte er uns fürs lesen, wir besuchten auch viele Museen. Meinen ersten Kinofilm sah ich in Bad Reichenhall - Cinderella. Regelmäßig besuchten wie in Salzburg das Marionettentheater.
Meine Eltern erkundeten mit uns die Umgebung, vom Königsee bis Zauberwald, erklommen mit uns den Untersberg und Predigtstuhl und einige andere Berge.
Da ich an einer schweren chronischen Bronchitis litt, ist mein Vater immer wieder mit mir mit der Seilbahn auf den Predigtstuhl gefahren. Dort bekam ich im Hotel etwas zu essen und trinken, anschließend machten wir eine Wanderung und stiegen zu Fuß wieder ins Tal, ich meistens auf den Schultern meines Vaters. Er begleitete mich auch in die Kuranstalt in Bad Reichenhall, wo ich mich verschiedenen Behandlungen unterziehen musste. Da ich in der Druckkammer alleine Angst hatte, ging er mit mir in die Kammer des "Grauens". Ich wollte nie schifahren, also nahm mein Vater die Rodel und fuhr mit mir die steilsten Straßen hinab. Einmal erwischte er die Kurve nicht und landete mit mir am Pfosten eines Zaunes. Die Rodel hatte zum Glück mehr abbekommen als ich, sie konnte aber wieder repartiert werden. Ich trug einen schweren Bluterguss und Narben davon, die man noch heute sehen kann. 
Vielen Freunden und Verwandten wurde die wunderschöne Gegend gezeigt - wir verbrachten in Großgmain eine glückliche Zeit. 
1957 entschlossen sich meine Eltern nach Wien zu übersiedeln, da die Gasolin  von der Esso aufgekauft wurde und für uns Kinder in Wien bessere Schulen zur Verfügung standen. Außerdem musste ich mich immer übergeben, wenn ich mit dem Postautobus fahren musste.
Schweren Herzens übersiedelten wir im Februar 1957 nach Wien.
1959 wurde am 26. Mai mein Bruder Klaus geboren (9. Bild). Zu diesem Zeitpunkt wechselte mein Vater die Firma, er arbeitete für Agip, einer italienischen Ölfirma, wo er bis zu seiner Pensionierung mit 66 Jahren geblieben ist. Auch dort war er hochgeschätzt, er leitete eine große Abteilung (10. Bild). Vielen jungen Menschen verhalf er zu einem Arbeitsplatz, wir Kinder besuchten Privatschulen und hatten jede Möglichkeit zu studieren. Mein Vater war auch politisch bürgerlich tätig, auch dort kümmerte er sich nicht nur wirtschaftlichen Fragen, sondern auch um die sozial schwachen Menschen. Er war durch und durch ein Humaner Mensch, sensibel und ein wahrer "Schöngeist". Sonntag vormittags verbrachten wir oft mit ihm in den diversen Museen, wo er uns alles erklärte. Schon früh nahmen unsere Eltern uns zu Theatervorstellungen, Opern-besuchen oder zu Konzerten mit. Kultur wurde in unserer Familie gepflegt. Es war so eine Art Tradition, dass mich mein Vater in ein Kaffeehaus an der Wienzeile mitnahm und mich zu einer Spezialität einen "Ramsauer" einlud. Wenn in den Sommermonaten meine Mutter nicht in Wien war, weil sie die Hitze nicht vertragen hat (sie genoss die Zeit bei der Familie Trettler, Bekannte aus Stoob), traf ich mich oft mit meinem Vater in seiner Mittagspause. Viele Mitarbeiter von seiner Firma verbrachten, wie mein Vater, die Mittagspause gelegentlich im Palais Schwarzenberg, da war natürlich mein Vater immer sehr stolz mich vorstellen zu können. Mein Vater kaufte auch immer den feinsten Konfekt für den Christbaum, den er wochenlang mit Bindfäden versah, um damit den 3 Meter hohen Christbaum zu schmücken, der im Wohnzimmer aufgestellt wurde und dann das Zimmer verschlossen wurde. Erst wenn das Glöckchen läutete wurde die Flügeltür geöffnet und wir haben den Baum mit den brennenden Kerzen gesehen ...... Mein Vater hat das Weihnachtsevangelium vorgelesen, es wurde gesungen und gebetet, erst dann wurden die Geschenke geöffnet. Meine Mutter stand mit hochrotem Gesicht in der Küche und hat das Festessen zubereitet. Wir alle haben uns festlich gekleidet, meine Mutter hat die Festtagsschürze umgebunden - so haben wir den Heiligen Abend gefeiert. Wir besuchten auch regelmäßig die Mitternachtsmette, wenn wir nach Hause kamen wurde eine "Mettensuppe" (eine Rindsuppe mit gebackenen Leberknödeln) serviert. Wenn ich zurückdenke verspüre ich noch immer die Wärme, die ich verspürt habe. Am Christtag besuchte ich oft mit meinem Vater die Malteserkirche in der Kärntnertstraße, während meine Mutter das Mittagessen zubereitete, da wir immer Gäste hatten (13. Bild). Am Stephanitag  besuchte die ganze Familie viele Kirchen, um die Krippen anzuschauen. Am Abend hatten wir immer "full house", oft frage ich mich wie das meine Mutter geschafft hat ....
Leider war er wie sein Vater ein starker Raucher, der das Rauchen nicht aufgeben wollte und konnte .... Er meinte  und es war eher bildlich gesprochen, denn er liebte uns sehr, "wenn er nicht mehr rauchen kann, will er nicht mehr leben"!
Er wünschte sich so sehr Enkelkinder, die wir ihm nicht rechtzeitig schenken konnten.

Viel zu früh hat er uns verlassen - ich vermisse ihn! 

Da sich der Lebensmittelpunkt von Walter und mir nach Salzburg verlagert hat, wollten wir unsere lieben Verstorbenen - unsere Eltern und Großeltern nicht alleine in Wien zurücklassen.
Wir holten sie zu uns - zur "Paracelsus Wiese"  zu unseren Baum, wo er mit seiner Frau, seinen Elter und weiteren lieben verstorbenen Verwandten am 14. Mai 2018 beigesetzt wurde (14. Bild).  Herbert Schmatzberger, Altpfarrer der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt Großgmain, hat ihn in einer liebevollen, würdigen Zeremonie, mit dem kirchlichen Segen, verabschiedet.

Auch wir werden dort in naher Zukunft unsere letzte Ruhe finden.

Christiane & Walter


Was man tief in seinem Herzen besitzt,
kann man nicht durch den Tod verlieren.
Goethe

Kerzen

Kerze

Christiane Krug
entzündete diese Kerze am 29. August 2018 um 1.28 Uhr

Es heißt nicht sterben, lebt man in den
Herzen der Menschen fort, die man
verlassen muss.
Samuel Smiles

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