Blumen auf einem Grabstein

Helene Kovacs geb. Schmidt

geboren am 8. August 1911 in Stoob
gestorben am 24. September 2002 in Wien

Meine Tante Helene wurde als 5. Kind von Johann und Maria Schmidt in Stoob am 8. August 1911 geboren. Der Vater, der ein Zimmermann war, war zu dieser Zeit schon sehr krank und somit musste meine Großmutter die Familie irgendwie durchbringen. Sie bewirtschaftete händisch mehrere kleine Felder, die weit vom Haus entfernt waren. Alles was sie erntete verkaufte sie auf dem Naschmarkt in Wien, um Geld zu verdienen. Sie hatten auch Hühner, Schweine und einige Ziegen, die sie mit Milch versorgten. Das Fleisch, die Eier und das Schmalz musste sie aber auch verkaufen, nur ein kleiner Rest war für die Familie bestimmt, Fleisch kam nur alle heilige Zeiten auf den Tisch. Meine Tante erzählte mir oft, dass sie immer wieder hungrig ins Bett musste. Das Brot musste meine Großmutter so dünn schneiden, dass man durchsehen konnte, meistens kam auch nichts aufs Brot, nicht einmal ein dünne Schicht Schmalz. Man kann sich heute gar nicht vorstellen, wie meine Großmutter ohne eine soziale Leistung vom Staat, ihre Familie durchbringen konnte. 

Wie ihre Geschwister (siehe 1. Bild), war auch meine Tante eine Vorzugsschülerin, schon während ihrer Schulzeit hatte sie den Wunsch Krankenschwester zu werden. Als sie die Pflichtschulzeit beendet hatte, musste sie, wie ihre anderen Geschwister vorher, für einige Jahre auf ein großes Gut nach Sachsen gehen, um dort auf den Feldern zu arbeiten. Machesmal wurde sie auch im Stall eingeteilt um beim Kühe melken zu helfen. Sie musste die Mich in die Vorratskammer bringen, dort hat sie, wenn sie unbeobachtet war, den Rahm von der Milch gegessen. Wenn man in der Kindheit immer Hunger gehabt hat möge es verzeihlich sein aber zu essen gab es aber dort genug, das erste Mal in ihrem Leben konnte sie sich so richtig satt essen. Aber die Arbeit war für ein so junges Mädchen viel zu schwer. Mit dem Geld, dass sie dort verdient hat, kaufte meine Großmutter für sie einen Acker in Stoob, mit dem sie aber nie Freude hatte. Tante Helen war auch Mitglied im Stoober Kirchenchor (2. Bild). Es dauerte nicht lange und sie ging nach Wien ins Hanuschkrankenhaus, um Krankenschwester zu werden (5. Bild). Als Hilfsschwester besuchte sie eine Abendschule und machte die Diplomprüfung. Sie liebte ihren Beruf und arbeitete auch im Labor (6. Bild). Dort arbeitete auch eine junge Deutsche, mit der sie sich angefreundet hat. Die pflegte zu sagen: "Heli, das Leben ist eines "der" Schwersten" (7. Bild)! Im Krankenhaus lernte sie einen jungen Arzt kennen, in den sie sich verliebte. Auch der junge Arzt - Max, verliebte sich in meine Tante. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, musste er, da er Jude war, nach Amerika auswandern. Er versprach ihr, sie so bald wie möglich, nachzuholen. Was er aber nicht gemacht hat, später hat sie erfahren, dass er schon bald in Amerika eine andere Frau geheiratet hat. Über das kam meine Tante viele Jahre nicht hinweg, für sie war Max die größte Enttäuschung, und sie wollte nie heiraten ......

Bevor meine Tante geheiratet hat, verbracht sie jeden Urlaub bei uns in Großgmain. Mein Vater machte mit ihr viele Bergtouren, sie war ja gut zu Fuß und die beiden "liefen" um die Wette. Die Bergtouren machten die beiden alleine, wir Kinder waren dafür zu klein. Aber zum Königsee, zum Zauberwald, nach Bad Reichenhall und ins Salzkammergut kamen wir alle mit. Sie genoss ihre Urlaube bei uns in Großgmain und war gerne mit unserer Familie zusammen. Als Peter so schwer erkrankte, kam sie umgehend um meine Mutter zu unterstützen, sie gab meiner Mutter medizinische Ratschläge und blieb so lange sie konnte, um mich mitzuversorgen, als meine Mutter 3 Monate bei Peter in Klagenfurt war. Da sie ja selbst keine Kinder hatte, hat sie uns Kinder vergöttert. Als dann 1959 mein Bruder Klaus geboren wurde, der als 8 Monat Kind sehr viel krank war, stand sie mit Rat und Tat meiner Mutter zur Seite. Besonders ist sie immer an mir gehangen und ich hatte sie auch sehr gerne.

Viele Jahre später hat sie im Hanuschkrankenhaus ihren Stefan kennengelernt, den sie als Patient pflegte (siehe Gedenkseite Stefan Kovacs 1913 - 1980). Für Stefan war es "Liebe auf den ersten Blick". Lange hat er um sie geworben, bis sie ihn erhörte und ihn heiratete (8. Bild). Sie führten eine glückliche Ehe, auch wenn diese kinderlos blieb. Sie konnten sich vieles leisten und machten tolle Reisen, wie z. B. in ihr geliebtes Italien. Meine Tante hatte teuren Schmuck, Pelzmäntel, beide waren immer gut gekleidet. Es war ein harter Schlag als mein Onkel 1959 an Kinderlähmung erkrankte. Noch dazu hatte er eine aggressive Form und war vom Hals abwärts gelähmt. Er konnte nicht selbständig atmen und musste in die "Eiserne Lunge", er war lange im Franz Josef Spital in Quarantäne. Es war das Jahr in dem mein Bruder Klaus geboren wurde, das hat meine Tante etwas abgelenkt. Stefan wollte, dass sich meine Tante von ihm trennen soll, da er sie nicht belasten wollte. Das hat sie natürlich nicht gemacht und mit viel Liebe und Hingabe gepflegt. Dadurch lernte Stefan nach mehr als einem Jahr wieder zu gehen. Die Hände konnte er schon vorher wieder bewegen. Er hatte einen starken Willen und unterstützte meine Tante so gut er konnte. Er war ja ein gebildeter Mann, hatte einen guten Humor und war sehr positiv und lustig. Beide waren sehr gesellig, wir haben viele Familienfeste gemeinsam gefeiert (10. Bild). Da sie ja keine Kinder hatten, haben sie uns Kinder in ihr Herz geschlossen. Tante Helene war auch meine Firmpatin (9.Bild) und Onkel Stefan war der Firmpate von meinen Bruder Klaus. Leider hat das Schicksal noch einmal zugeschlagen, 1980 ist Onkel Stefan an Krebs erkrankt. Zuerst war der Magen befallen, er hatte ja nur mehr 1/3 von seinem Magen, er wurde ja 1950 in Wien operiert, wo man die "Billroth Methode" angewendet hat, Der Krebs streute und bald waren fast alle Organe davon betroffen. Als dann auch die Bauchspeicheldrüse befallen war, konnten die Schmerzen nicht einmal mehr mit Morphium gelindert werden. Er, der nie jammerte schrie laut vor Schmerzen! Lange sträubte er sich zu sterben, er wollte und konnte seine geliebte Heli nicht verlassen. Erst als sie ihm sagte, dass er gehen könne, konnte er diese Welt verlassen. Vorher hat er mich gebeten, mich um Tante Helene zu kümmern. Das habe ich eingehalten und später hat mir Walter dabei geholfen.

Es hat lange gedauert bis Tante Helene wieder zu leben begann. Aber sie war eine so starke Frau und eben sehr gesellig. Dabei geholfen hat natürlich der große Verwandten- und Bekanntenkreis. Mein Cousin Werner, der Sohn  meiner Tante Rosa, hat sie auch oft besucht. Besonders rührend haben sich die Söhne ihrer Jugendfreundin Paula Biribauer aus Stoob um sie gekümmert, Franzi und Walter, der ein Auto hatte, hat schon als Onkel Stefan noch lebte, sie mitgenommen um schöne Ausflüge zu machen. Wir haben viele schöne Jahre zusammen verbracht, wir haben sie auch immer zum Muttertag eingeladen. Sie war ja bis ins hohe Alter geistig top und auch körperlich fit. Sie war entsetzt, beinahe entrüstet als meine Mutter 1991 gestorben ist (siehe Therese Krug 1916 - 1991). Wie konnte meine Mutter sterben - ihre kleine Schwester und sie, die doch so krank war, leben ..... ?

Meine Tante musste miterleben wie mein Bruder Peter 2002 gestorben ist. Sie versuchte mich zu trösten ..... Ihr größter Wunsch war, dass sie in ihrer Wohnung bleiben konnte. Das haben wir für sie möglich gemacht und sie versorgt so gut wir konnten. Ich erinnere mich, dass sie immer wenn wir gegangen sind, uns vom Fenster gewunken hat, bis wir außer Sichtweite waren. In den letzten Jahren, kaum waren wir zu Hause angelangt, hat das Telefon geklingelt und sie hat mich gefragt: "Christerl wann kommt ihr wieder", wenn ich dann sagte, dass wir gerade noch bei ihr waren sagte sie; "Mein Gott, wie dumm bin ich!" Aber erst im Jahr 2002 hat sie immer mehr abgebaut, lange Zeit musste sie im Krankenhaus gepflegt werden. Sie ist dann am 24. September 2002 friedlich eingeschlafen.    

Da sich der Lebensmittelpunkt von Walter und mir nach Salzburg verlagert hat, wollten wir unsere lieben Verstorbenen - unsere Tante und unseren Onkel nicht alleine in Wien zurücklassen.

Wir holen sie zu uns - zur "Paracelsus Wiese" zu unseren Baum, wo sie mit ihrem Mann, ihrer Schwester, ihren Schwager und weiteren lieben verstorbenen Verwandten am 14. Mai 2018 beigesetzt wurde (11. Bild).Herbert Schmatzberger, Altpfarrer der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt Großgmain hat sie in einer liebevollen, würdigen Zeremonie mit dem kirchlichen Segen, verabschiedet. 

Auch wir werden dort in naher Zukunft unsere letzte Ruhe finden.

Christiane & Walter


Es heißt nicht sterben, lebt man in den
Herzen der Menschen fort, die man
verlassen muss.
Samuel Smiles

Kerzen

Kerze

Christiane Krug
entzündete diese Kerze am 8. August 2018 um 17.36 Uhr

Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann,
steht in den Herzen der Mitmenschen.
(Albert Schweitzer)

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